"Wer keine Zeit für seine Gesundheit hat, wird später viel Zeit für seine Krankheiten brauchen." – Sebastian Kneipp

Cholesterin – Nutzen und Gefahren eines Blutfettes

Published Mai 16, 2014 in Cholesterin - 0Comments

behandelungSicherlich haben Sie schon von Cholesterin gehört und davon, dass man einen zu hohen Cholesterinspiegel senken sollte. Eventuell sind Ihnen auch beim Einkaufen schon Lebensmittel aufgefallen, die mit geringerem Cholesteringehalt werben.

Aber was hat es eigentlich damit auf sich? Wir erklären, was Cholesterin ist, welche Arten es gibt und  wie Cholesterin und Gesundheit zusammenhängen.

Was ist Cholesterin?

Cholesterin ist ein lebenswichtiger Stoff, der in allen tierischen (und damit auch menschlichen) Zellen zu finden ist. Jede Zelle hat eine Hülle, die Zellmembran genannt wird. Durch diese Hülle wird die Zelle zusammengehalten und geschützt, aber es werden auch Stoffe in die und aus der Zelle durch die Hülle transportiert. Cholesterin ist ein wichtiger Bestandteil der Hülle.

Außerdem ist es Ausgangsstoff für die körpereigene Herstellung vieler anderer Substanzen, zum Beispiel für das Hormon Cortisol und für die Gallensäuren.

Zum größten Teil (zwischen zwei Dritteln und drei Vierteln) kann die Leber das vom Körper benötigte Cholesterin selbst herstellen. Der Rest wird mit der Nahrung aufgenommen. Vor allem in tierischen Lebensmitteln (Eier, Fleisch, Milchprodukte) ist der Stoff enthalten, insbesondere in tierischem Fett.

Was macht Cholesterin im Blut?

Der Cholesterinspiegel bezieht sich nun auf die Menge des Cholesterins im Blut. Der größte Teil des Cholesterins im Körper befindet sich in den Zellen und insbesondere in der Zellmembran, die Hülle, die jede Zelle umgibt. Im Blut ist es nur zu Transportzwecken – und natürlich in der Membran der Blutzellen.

Die Leber ist der wichtigste Ort im Körper für die Herstellung und Speicherung von Cholesterin. Das mit der Nahrung aufgenommene Cholesterin wird im Darm dem Nahrungsbrei entzogen und mit dem Blut zur Leber transportiert, wo es gespeichert wird. Und das in der Leber gespeicherte oder neu hergestellte Cholesterin wird mit Hilfe des Blutes in die Körperzellen transportiert, in denen es benötigt wird.

Öl und Wasser vermischen sich nicht. Es gibt jedoch noch weitere Stoffe, die sich nicht mit Öl bzw. Fetten oder Wasser mischen lassen. Man spricht immer dann von fettlöslich, wenn ein Stoff sich gut mit Fetten vermischen lässt und von wasserlöslich, wenn er sich gut mit Wasser vermischen lässt. Die meisten Stoffe sind entweder wasserlöslich oder fettlöslich, aber nicht beides. Viele Aromastoffe sind zum Beispiel fettlöslich, weswegen Essen mit einem Schuss Öl, Butter oder Sahne oft besser schmeckt.

Cholesterin ist ein fettlöslicher Stoff. Das Problem ist: Blut ist eine Flüssigkeit auf Wasserbasis, deshalb ist der Transport von reinem Cholesterin im Blut nicht möglich. Es wird stattdessen verpackt in kleinen Transportkugeln durch das Blut transportiert. Die Wände dieser Kugeln bestehen aus sogenannten Apolipoproteinen, also aus Eiweißen. Diese sind nach innen hin fettlöslich, so dass sie ohne Schwierigkeit fettlösliche Substanzen umschließen können, und nach außen hin wasserlöslich, so dass die Kugeln problemlos im Blut schwimmen können.

Die Komplexe aus Fett und Apolipoprotein nennt man in ihrer Gesamtheit Lipoproteine oder Blutfette.

Gibt es verschiedene Cholesterinarten?

Oft hört man vom ‚guten‘ und vom ’schlechten‘ Cholesterin. Heißt das also, dass es unterschiedliche Varianten von Cholesterin gibt? Eigentlich nicht.

Was damit gemeint ist, sind unterschiedliche Varianten der Transportkugeln, der Lipoproteine. Diese werden nach Dichte unterschieden, wobei vor allem zwei Arten wichtig sind:

  • LDL = Low Density Lipoprotein. Üblicherweise als ’schlechtes‘ Cholesterin bezeichnet.
  • HDL = High Density Lipoprotein. Dieses wird als ‚gutes‘ Cholesterin bezeichnet.

Es handelt sich also bei LDL und HDL nicht im eigentlichen Sinne um Cholesterin, sondern um die Cholesterin-Transportbehältnisse. Vereinfachend spricht man jedoch oft von LDL-Cholesterin und HDL-Cholesterin.

Dabei unterscheiden sich die beiden Varianten auch in ihrer Funktion: Die LDL-Kugeln transportieren Cholesterin von der Leber in die Körperzellen, während überschüssiges von HDL aus den Körperzellen zurück in die Leber gebracht wird.

Die Frage ist nun: Wie wirkt sich Cholesterin (und seine Transportvehikel) auf die Gesundheit aus?

Verstopft Cholesterin die Arterien?

Krankheiten der Gefäße, die das Herz mit Blut versorgen, werden unter dem Begriff Koronare Herzkrankheit (KHK) zusammengefasst. Diese Erkrankung ist die häufigste Todesursache in Industrieländern. Sie kann zunächst ohne Symptome verlaufen, äußert sich aber oft durch stechende Schmerzen in der Brust (das Symptom wird als Angina Pectoris bezeichnet) und Kurzatmigkeit.

Gefährlich und lebensbedrohlich wird die Koronare Herzkrankheit dann, wenn ein Gefäß komplett verstopft ist und der Blutstrom zu einem Teil des Herzmuskels abgeschnitten wird. Das Akute Koronarsyndrom (ACS) bezeichnet einen Infarkt des Herzens und kann zur Herzstillstand und Tod führen.

Die häufigste Ursache dieser Herzerkrankung ist die Arteriosklerose. Dabei lagern sich verschiedene Stoffe in den Arterien ab,wobei insbesondere oxidiertes Cholesterin aus im Übermaß vorhandenen LDL-Transportern eine wichtige Rolle spielt, und verstopfen so die Blutgefäße.

Die Forschung hat mittlerweile zahlreiche Risikofaktoren gefunden, von denen eine große Anzahl mit dem Lebensstil zusammenhängt. Die wichtigsten Risikofaktoren sind (nicht nach Relevanz geordnet):

  • Rauchen
  • Bluthochdruck
  • Ernährung mit vielen tierischen Fetten
  • Wenig Bewegung
  • Übergewicht
  • Stress
  • Alter
  • Männliches Geschlecht
  • Genetische Veranlagung
  • Diabetes

Und auch Cholesterin taucht auf der Liste der Risikofaktoren auf:

  • zu viele LDL-Tranporter
  • zu wenige HDL-Transporter

Cholesterin an sich ist also keineswegs schlecht oder gefährlich. Im Gegenteil, es ist sogar lebensnotwendig. Es scheint vielmehr darauf anzukommen, wie genau es im Blut transportiert wird, wobei HDL sich positiv auswirkt und LDL negative Effekte hat.

Man vermutet, dass der Grund für die negative Wirkung von LDL und den positiven Effekt von HDL folgender ist: LDL kann Cholesterin an die Gefäßwände abgeben – in der Tat besteht ein großer Anteil der Ablagerungen bei Arteriosklerose aus einer chemisch umgewandelten (oxidierten) Form von Cholesterin, das aus im Übermaß im Blut vorhanden LDL-Transportern stammt. HDL dagegen ist in der Lage, das in den Gefäßwänden abgelagerte Cholesterin aufzunehmen und wieder zurück zur Leber zu transportieren.

Zusammenfassung

Cholesterin ist eine fettlösliche Substanz, die eine wichtige Rolle als Membranbestandteil und Ausgangsstoff für die körpereigene Synthese vieler Hormone und anderer Stoffe spielt.

Eine Erhöhung des Gesamt- und des LDL-Cholesterinwertes gilt allerdings als eine der Hauptursachen für Herz-Kreislauferkrankungen, da es durch Ablagerungen von Cholesterin in den Gefäßwänden zu Arteriosklerose kommt.

Daneben gibt es noch viele weitere Faktoren, die die Entstehung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Schlaganfall und Herzinfarkt begünstigen.

Mit einem gesunden Lebensstil lassen sich viele Risikofaktoren positiv beeinflussen.