"Wer keine Zeit für seine Gesundheit hat, wird später viel Zeit für seine Krankheiten brauchen." – Sebastian Kneipp

Cholesterin: Warum hohe Werte gefährlich sind und wie Sie sie senken

Published Juni 22, 2016 in Cholesterin - 0Comments
Cholesterinspiegel senken

Die Blutuntersuchung beim Arzt beinhaltet immer auch eine Bestimmung des Cholesterinspiegels. Dabei fallen dann Begriffe wie LDL, HDL, „böses“ Cholesterin und „gutes“ Cholesterin – aber was ist eigentlich Cholesterin, warum ist es in mancher Form gefährlich und wie können Sie Ihren Cholesterinspiegel senken?

Grundlagen: Was ist eigentlich Cholesterin?

Definition

Der Begriff „Cholesterin“ kommt aus dem griechischen und setzt sich aus zwei Wörtern zusammen:

Chole“ bedeutet Galle. Man findet diesen Wortstamm beispielsweise auch in den Bezeichnungen der uralten Viersäftelehre: Choleriker sind nach dieser jähzornige Menschen, die zu viel gelbe Galle besitzen; Melancholiker dagegen schwermütige Menschen, die zu viel schwarze Galle besitzen.

Cholesterin wird nicht in der Galle sondern in der Leber produziert, kann aber auch in größeren Mengen in der Galle auftauchen und dort zu Problemen in Form von Gallensteinen führen.

Stereos“ bedeutet fest und leitet sich ebenfalls davon ab, dass man Cholesterin in Gallensteinen gefunden hat.

Neben Cholesterin findet man häufig auch die (chemisch korrektere) Bezeichnung Cholesterol, beide Namen sind gleichbedeutend.

Cholesterin ist ein fettlöslicher Stoff mit einem Steroid-Grundgerüst, der genau wie die Neutralfette (Triglyceride) zu den sogenannten Blutfetten gezählt wird.

Cholesterin – ein lebensnotwendiger Stoff

Ohne Cholesterin würde in unserem Körper einiges nicht funktionieren:

Cholesterin ist ein essentieller Bestandteil der Zellmembranen und außerdem Ausgangsstoff für die Bildung einer Vielzahl wichtiger Stoffe.

Unter anderem werden die Gallensäuren aus Cholesterin gebildet, die wichtig für die Fettverdauung sind. Auch die Sexualhormone wie Testosteron und Estradiol entstehen aus Cholesterin.

Mithilfe von Sonnenstrahlung kann der Körper außerdem aus Cholesterin Vitamin D bilden, ein Stoff, der im Knochen- und Calciumhaushalt eine wichtige Rolle spielt.

Cortisol, ein Hormon der Nebenniere mit vielfältigen Auswirkungen auf den Stoffwechsel und auf Entzündungsprozesse, entsteht ebenfalls aus Cholesterin.

Eine ausreichende Versorgung mit Cholesterin ist also wichtig für verschiedenste Abläufe und Funktionen in unserem Körper.

Wo kommt Cholesterin her?

Cholesterin ist ein natürlich vorkommender Stoff, den man in vielen Nahrungsmitteln findet, insbesondere tierische Produkte wie Eier, Fleisch oder Butter sind sehr cholesterinreich.

Tatsächlich spielt die Aufnahme über die Nahrung aber nur eine untergeordnete Rolle, denn etwa zwei Drittel bis drei Viertel des gesamten Cholesterins wird in der Leber gebildet. Über verschiedene enzymatische Schritte wird dabei aus kleinen Kohlenstoffeinheiten das große Cholesterinmolekül synthetisiert.

Bei manchen Menschen kann eine vererbte Fehlfunktion dieser Enzyme vorliegen, dann kommt es schon in jungen Jahren zu sehr hohen Cholesterinspiegeln, man spricht von familiärer Hypercholesterinämie.

Transport von Cholesterin im Blut: LDL und HDL

Cholesterin ist ein fettlösliches Molekül, Blut dagegen wässrig. Da Fett und Wasser bekanntlich schlecht mischbar sind, gibt es ein ausgeklügeltes Transportsystem für die Blutfette:

Sie werden mit einer Eiweißschicht umhüllt, bestehend aus den sogenannten Apolipoproteinen, die die wasserunlöslichen Fette einkapseln und erst an den Zielzellen wieder freisetzen. Dabei ändert sich sowohl die Zusammensetzung der Fette im Inneren des Transports als auch die der Proteine an der Oberfläche ständig.

Diese Komplexe aus Apolipoproteinen und Blutfetten werden insgesamt als Lipoproteine (griech. lipos = Fett) bezeichnet und sie sind es, die bei einer Blutuntersuchung gemessen werden.

Die Lipoproteine mit ihren unterschiedlichen Zusammensetzungen und Zielorten werden nach ihrer Dichte eingeteilt. Dabei gilt: Je höher der Fettanteil desto geringer die Dichte, je höher der Eiweißanteil desto größer die Dichte des Lipoproteins.

Die wichtigsten Lipoproteine werden im Folgenden kurz vorgestellt.

Chylomikrone transportieren Nahrungsfette (insbesondere die als Neutralfette bezeichneten Triglyceride) vom Darm zur Leber und haben eine sehr geringe Dichte.

Auf dem Weg zur Leber wird bereits ein Teil der Nahrungsfette als Energieträger von verschiedenen Zellen aufgenommen, der Rest gelangt zur Leber und wird dort zwischengespeichert oder mit einem anderen Lipoprotein erneut auf die Reise durch die Blutbahn geschickt.

VLDL, Abkürzung für very low density lipoprotein, transportiert vor allem Neutralfette, aber auch zu einem kleineren Anteil Cholesterin von der Leber zu Fett- und Muskelgewebe und hat, wie der Name schon sagt, eine sehr geringe Dichte.

LDL, Abkürzung für low density lipoprotein, transportiert vorwiegend Cholesterin aus der Leber zu peripheren Zellen und kann Ablagerungen von Cholesterin in den Blutgefäßen auslösen. Aus diesem Grund wird es umgangssprachlich auch als „böses Cholesterin“ bezeichnet und stellt einen Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Schlaganfall und Herzinfarkt dar.

HDL, Abkürzung für high density lipoprotein, hat eine hohe Dichte, das heißt, dass es einen hohen Anteil von Transporteiweißen aber nur einen geringen Anteil an Blutfetten enthält. Seine Transportrichtung ist der des LDLs entgegengesetzt: Es kann überschüssiges Cholesterin aus peripheren Muskel- und Fettzellen und auch aus Gefäßwänden aufnehmen und zurück zur Leber transportieren. Dadurch senkt es den Gesamtcholesterinspiegel, vermindert das Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen und wird deshalb umgangssprachlich „gutes Cholesterin“ genannt.

„Gutes“ und „böses“ Cholesterin sind also ein- und derselbe Stoff, bloß in unterschiedlichen Transportformen. „Gutes“ Cholesterin ist auf dem Weg zurück zur Leber während „böses“ Cholesterin zu peripheren Organen gebracht wird und unterwegs sozusagen in den Gefäßen „stecken bleiben“ kann.

Gefahren eines erhöhten Cholesterinspiegels

LDL und Arteriosklerose

Wie oben erklärt transportiert also LDL Cholesterin von der Leber zu Muskel- und Fettgewebe, dabei kann es auch zur Aufnahme von Cholesterin in die Gefäßwände kommen. Das ist prinzipiell noch unproblematisch, denn HDL kann das überschüssige Cholesterin ja auch wieder entfernen.

Steigt allerdings der LDL-Gehalt im Blut an oder ist der HDL-Gehalt vermindert, kann dieses Ungleichgewicht in Abhängigkeit von weiteren Risikofaktoren zu verstärkten Ablagerungen führen. Das abgelagerte Cholesterin in den Gefäßwänden wird oxidiert und dann durch spezielle Zellen des Immunsystems, den Makrophagen, aufgenommen, die dadurch sozusagen „aufquellen“ und zu Schaumzellen werden. Dieser Vorgang wiederum lockt weitere Immunzellen an den Ort des Geschehens, es kommt zu einer Entzündung und zu Veränderungen der Gefäßwand.

Die entzündliche Veränderung der Gefäßwand wird als Arteriosklerose bezeichnet, ein Begriff, der wörtlich übersetzt „Gefäßverhärtung“ bedeutet. Umgangssprachlich hört man häufig auch die Bezeichnung „Arterienverkalkung“, diese ist aber irreführend, weil sich kein Kalk (Calciumcarbonat) in den entzündeten Ablagerungen findet.

Folgen der Arteriosklerose

Durch die Ablagerungen und die Entzündung kommt es im Zuge der Arteriosklerose zu einer Verengung der Gefäße und damit zu einer verminderten Blutversorgung des versorgten Gewebes.

Die Arteriosklerose kann je nachdem wo sie auftritt verschiedene Auswirkungen haben, tritt sie beispielsweise in den Gefäßen der Unterschenkel auf kommt es zur sogenannten peripheren arteriellen Verschlusskrankheit, im Volksmund auch „Schaufensterkrankheit“ genannt, weil die Betroffenen wegen ihrer schmerzenden Beine häufig stehen bleiben müssen. Eine Verengung der Herzkranzgefäße dagegen kann zur koronaren Herzkrankheit, kurz KHK, führen, die von plötzlichen, stechenden Herzschmerzen und Atemnot begleitet sein kann.

Thrombose und Infarkt

Im weiteren Verlauf der Gefäßveränderung kommt es zur Bildung eines Plaques, einer Art Gewebskappe aus Bindegewebe mit einem Kern aus Cholesterin, die im ungünstigsten Fall aufreißen kann (Plaqueruptur). Dadurch entsteht eine Verletzung im Blutgefäß, die, genau wie eine äußerliche Verletzung auch, die Blutgerinnung auslöst.

Die Blutgerinnung innerhalb eines Gefäßes wird als Thrombose bezeichnet und kann abhängig davon, wo sie auftritt, unterschiedliche Folgen haben. Wandert ein Thrombus in die kleinen Blutgefäße des Herzens oder des Gehirns kann es zu Herzinfarkt oder Schlaganfall kommen.

Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind nach wie vor weltweit die häufigste Todesursache.

Weitere Risikofaktoren

Der oben erklärte Zusammenhang zwischen LDL, Arteriosklerose und Herz-Kreislauf-Erkrankungen ist natürlich sehr vereinfacht dargestellt, es gibt viele weitere Faktoren, die das Geschehen beeinflussen. Ein erhöhter LDL-Spiegel führt nicht automatisch zu Arteriosklerose und Thrombose, genauso können anders herum bei Vorliegen weiterer Risikofaktoren auch ohne starke Erhöhung von LDL diese krankhaften Veränderungen eintreten.

Welche Faktoren begünstigen neben einem erhöhten LDL- und einem verminderten HDL-Spiegel noch die Entstehung Herz-Kreislauf-Erkrankungen?

Es gibt einige Faktoren, die nicht beeinflussbar sind: Männer haben prinzipiell ein höheres Risiko als Frauen, ebenso erhöht sich auch das Risiko mit steigendem Alter. Außerdem können genetische Einflüsse eine Rolle spielen, litt ein Elternteil bereits an einer Herz-Kreislauf-Erkrankung ist das eigene Risiko ebenfalls erhöht.

Auf andere Faktoren dagegen haben wir einen direkten Einfluss und können so das eigene Risiko, eine Herz-Kreislauf-Erkrankung zu bekommen, deutlich senken: Rauchen steigert bekanntermaßen das kardiovaskuläre Risiko, ebenso wie die meist mit Übergewicht verbunden metabolischen Erkrankungen Diabetes mellitus und Hyperlipidämie (also erhöhte Blutfettwerte, insbesondere eine Erhöhung des LDL-Cholesterin-Wertes). Ein schlecht eingestellter Bluthochdruck kann ebenfalls das Erkrankungsrisiko erhöhen.

Auch die Ernährung hat Einfluss auf das individuelle Erkrankungsrisiko, insbesondere sehr cholesterinreiche tierische Produkte wie Eier oder Fleisch wirken sich negativ aus.

Messung des Cholesterinspiegels

Richtwerte: Welche Blutfettwerte sind normal?

LDL hat negativen, HDL dagegen positiven Einfluss auf das kardiovaskuläre Risiko – daher sollte der LDL- Wert natürlich unterhalb, der HDL-Wert dagegen oberhalb eines bestimmten Schwellenwertes liegen. Auch das Verhältnis von LDL- zu HDL-Wert ist relevant. Die Empfehlung zum LDL-Wert schwankt außerdem in Abhängigkeit von weiteren Risikofaktoren wie beispielsweise Rauchstatus oder Diabetes mellitus.

Tab. 1: Blutfettwerte

In Tabelle 1 sind die Richtwerte der Blutfette aufgelistet

Blutfett HDL-Cholesterin LDL-Cholesterin Gesamt-Cholesterin Triglyceride („Neutralfette“)
Richtwert in Milligramm Fett pro Deziliter Blut [mg/dl] > 40 mg/dl

 

Bei < 2 Risikofaktoren:

< 160 mg/dl

< 200mg/dl < 150mg/dl
Bei ≥ 2 Risikofaktoren:

< 130 mg/dl

Bei bestehender KHK:
< 100 mg/dl

KHK = Koronare Herzkrankheit

 

Blutabnahme: Nüchtern oder nach dem Essen?

Das mit der Nahrung aufgenommene Fett erhöht kurzfristig die gemessenen Blutfettwerte und könnte zu einer falschen Diagnose führen, so war die bisherige Annahme.

Die Anweisung, morgens ohne Frühstück zur Blutabnahme in die Praxis zu kommen ist daher vielen noch bekannt, viele Menschen haben aber Probleme damit, bei leerem Magen Blut abgenommen zu bekommen. Die Forschungsergebnisse einer Gruppe dänischer Wissenschaftler wird die Blutabnahme für viele deshalb sehr erleichtern:

Das Forscherteam konnte durch die Analyse der Daten von rund 300 000 Probanden zeigen, dass sich die im nüchternen Zustand bestimmten Blutfettwerte nur minimal von denjenigen nach der Nahrungsaufnahme unterscheiden und diese minimalen Unterschiede tatsächlich nicht klinisch relevant sind.

Aufgrund dieser Forschung haben die Europäische Gesellschaft für Klinische Chemie und Labormedizin (EFLM) und die Europäische Atherosklerose-Gesellschaft (EAS) im Fachmagazin European Heart Journal im April 2016 die Empfehlung gegeben, dass die Blutabnahme zur Bestimmung der Blutfettwerte nicht standardmäßig nüchtern erfolgen muss.

Primär und sekundär erhöhte Blutfettwerte

Manche Erkrankungen wie Diabetes, aber auch Störungen der Schilddrüse, der Niere oder der Leber können zu einer Erhöhung des Cholesterinwertes führen. In diesem Fall spricht man von einer sekundären Hypercholesterinämie, weil der erhöhte Cholesterinspiegel nicht die eigentliche Erkrankung ist, sondern durch eine andere Krankheit ausgelöst wird.

Bei sekundär erhöhten Cholesterinwerten wird zunächst die auslösende Grunderkrankung behandelt.

Primär erhöhte Cholesterinwerte dagegen werden je nach persönlichem Risiko direkt mit lebensstilverändernden Maßnahmen beziehungsweise Medikamenten behandelt.

Senkung des Cholesterinspiegels

Ein erhöhter Cholesterinwert sollte in Abhängigkeit von weiteren Risikofaktoren unbedingt gesenkt werden, um Herz-Kreislauf-Folgeerkrankungen zu vermeiden. Der Hausarzt beurteilt dabei, ob die Einnahme eines Medikamentes notwendig ist oder ob es zunächst ausreicht, durch lebensstilverändernde Maßnahmen den Cholesterinspiegel zu senken.

Grundsätzlich ist die Basis jeder Therapie eine Umstellung der Ernährung.

Behandlungsziele

Zur Verminderung des individuellen Risikos für Herz-Kreislauf-Erkrankungen wird in erster Linie ein Grenzwert für den LDL-Cholesterinspiegel („böses Cholesterin“) festgelegt, der abhängig von den anderen Risikofaktoren des Patienten ist.

Für einen Diabetiker mit erhöhten Cholesterinwerten läge der LDL-Grenzwert beispielsweise bei 100 mg/dl, bei Patienten mit sehr hohem Risiko (beispielsweise nach einem bereits stattgefundenen Herzinfarkt) sogar bei nur 70 mg/dl.

Das individuelle Behandlungsziel wird vom Arzt festgelegt und regelmäßig überprüft.

Nichtmedikamentöse Maßnahmen

Basistherapie: Ernährung

Obwohl etwa zwei Drittel des Cholesterins in der Leber synthetisiert wird und nur ein Drittel über die Nahrung in den Körper gelangt, kann durch eine Umstellung der Ernährung und vermehrte körperliche Aktivität eine deutliche Senkung des Cholesterinspiegels erreicht werden.

Die allgemeine Ernährungsempfehlung lautet deshalb: Abwechslungsreiche Mischkost mit einem hohen Ballaststoffanteil, aber einem reduzierten Fettanteil von weniger als 30% der Gesamtenergie, wobei insbesondere gesättigte Fette, trans-Fette und Cholesterin in möglichst geringen Mengen konsumiert werden sollten. Ungesättigte Fettsäuren dagegen dürfen und sollen in höherem Maße aufgenommen werden.

Was heißt das nun konkret?

Gesättigte Fette und Cholesterin

Gesättigte Fette und Cholesterin finden sich insbesondere in tierischen Produkten, deren Verzehr daher eingeschränkt werden sollte:

Besonders Eier enthalten einen sehr hohen Cholesteringehalt, wöchentlich sind deshalb nicht mehr als zwei zu essen. Cholesterinreich ist übrigens nur das Eigelb!

Fettes Fleisch und Wurstwaren sind ebenfalls reich an Cholesterin und gesättigten Fettsäuren. Stattdessen können Geflügel, Fisch, gelegentlich mageres Fleisch oder auch vegetarische Alternativprodukte ausprobiert werden, deren Vielfalt ständig wächst.

Fette Milchprodukte wie Butter und Sahne sollte auch gemieden werden, ersetzen Sie Butter beispielsweise durch mageren Frischkäse.

Trans-Fette

Trans-Fette entstehen beim starken Erhitzen pflanzlicher Öle, deren ungesättigte Fettsäuren natürlicherweise in der sogenannten cis-Stellung vorliegen. Diese ungesättigten cis-Fette sind wichtige Bestandteile unserer Zellmembranen und schützen uns sogar vor kardiovaskulären Erkrankungen.

Die beim starken Erhitzen entstehenden trans-Fette dagegen erhöhen das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und sollte deshalb weitgehend gemieden werden. Verzichten Sie deshalb möglichst auf scharf Angebratenes oder Frittiertes.

Ungesättigte Fettsäuren

Ungesättigte Fettsäuren finden sich insbesondere in Fisch, pflanzlichen Ölen und Nüssen sowie in Obst und Gemüse, deshalb sollten diese Nahrungsmittel bevorzugt konsumiert werden: Das scharf angebratene Steak kann beispielweise durch ein gedünstetes Fischfilet ersetzt werden; Nüsse sind ein gesünderer Snack als Kartoffelchips.

Ballaststoffe

Ballaststoffe sind Nahrungsbestandteile, die vom Körper nicht abgebaut und aufgenommen werden können, aber eine wichtige Rolle für die Verdauung spielen: Sie erhöhen das Volumen des Nahrungsbreis im Darm, regen die Darmbewegung an und führen, in höheren Mengen konsumiert, zu einer Senkung des LDL-Cholesterinspiegels.

Ballaststoffe findet man insbesondere in Obst, Gemüse und Vollkornprodukten, so gut wie gar nicht mehr enthalten sind sie dagegen in stark verarbeiteten Produkten wie Weißbrot. Die Ballaststoffaufnahme kann neben den genannten Lebensmitteln auch durch Produkte wie Haferkleie erhöht werden, die beispielsweise morgens ins Müsli eingerührt gegessen wird.

Weitere lebensstilverändernde Maßnahmen

Neben einer Umstellung der Ernährung gibt es einige weitere Maßnahmen, die Sie ergreifen können, um Ihren Fettstoffwechsel zu verbessern und Ihr Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu vermindern:

Bei stark erhöhtem Körpergewicht, also ab einem BMI von über 30 km/m², hat die langsame, aber langfristige Gewichtsreduktion hin zu einem normalen BMI von unter 25 kg/m² einen sehr starken Einfluss auf den Fettstoffwechsel.

Alkohol- und Nikotinkonsum sollten als massive Risikofaktoren für Herz-Kreislauferkrankungen so weit wie möglich eingeschränkt und bestenfalls ganz eingestellt werden.

Vermehrte körperliche Bewegung, am besten eine dynamische Ausdauersportart wie Schwimmen oder Radfahren, hat ebenfalls positiven Einfluss auf den Stoffwechsel und das kardiovaskuläre Risiko.

Wichtig: Nicht alles auf einmal

Bei der Vielzahl von Büchern, Patientenratgebern, Internetforen und anderer Quellen mit Tipps zur Senkung des Cholesterinspiegels verliert man leicht den Überblick und sieht den Wald vor lauter Bäumen nicht. Deshalb ist wichtig: Versuchen Sie nicht von heute auf morgen im Hauruck-Verfahren Ihr ganzes Leben auf den Kopf zu stellen und alles anders zu machen. Ernährungsumstellung, Rauchstopp und gleich noch in drei verschiedenen Sportvereinen anmelden – mit zu vielen neuen Zielen werden Sie wahrscheinlich nach wenigen Tagen frustriert aufgeben.

Nehmen Sie sich stattdessen eine einzige neue Gewohnheit vor, die Sie in Ihren Alltag integrieren wollen, beispielsweise den Ersatz von Wurst und fettem Fleisch durch fettärmere Produkte. Erst wenn diese Veränderung fester Bestandteil Ihres Alltags geworden ist (beispielsweise nach zwei bis vier Wochen) nehmen Sie sich die nächste Veränderung vor.

Langsam, dafür aber langfristig, können Sie sich so einen neuen, gesunden Lebensstil aufbauen.

Medikamentöse Maßnahmen

Je nach individuellem Risiko verschreibt der Arzt sofort oder nach einer versuchsweisen Senkung des Cholesterinspiegels allein durch lebensstilverändernde Maßnahmen ein Medikament, um den LDL-Cholesterinwert zu vermindern.

Im Folgenden wird ein kurzer Überblick über die verschiedenen Medikamente, ihre Wirkungen und wichtigsten Nebenwirkungen gegeben.

Statine

Wirkung

Mittel der ersten Wahl zur medikamentösen Senkung des Cholesterinspiegels sind nach wie vor die bereits seit Ende der 80er Jahre auf dem Markt befindlichen Statine wie beispielsweise Simvastatin, Pravastatin oder Lovastatin.

Die Statine sind Wirkstoffe, die ein Enzym hemmen, das für die körpereigene Produktion von Cholesterin in der Leber essentiell ist. Durch die verminderte Cholesterinsynthese steht weniger Cholesterin in den Zellen zur Verfügung, LDL-Cholesterin wird vermehrt aufgenommen und abgebaut und der Gesamt- und LDL-Cholesterinspiegel nimmt um 30 bis 50% ab.

Das Leberenzym, das durch die Statine gehemmt werden soll, wird abends in besonders hohen Konzentrationen von der Leber produziert, deshalb werden (die meisten) Statine immer abends eingenommen.

Neben dieser sehr effektiven Senkung des Cholesterinspiegels haben die Statine aber auch noch zusätzliche positive Wirkungen, die sogenannten pleiotropen Effekte, die unter anderem die Blutgerinnung und Entzündungsreaktionen beeinflussen und ebenfalls das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen senken.

Nebenwirkungen

Die Statine sind in der Regel sehr gut verträglich, häufigste Nebenwirkung sind muskelkaterähnliche Schmerzen in den Muskeln der Oberschenkel und des Schultergürtels.

Gefährlich aber nur selten vorkommend ist die sogenannten Rhabdomyolyse, eine Nebenwirkung, bei der die Skelettmuskulatur zerstört wird. Diese tritt insbesondere bei weiteren Risikofaktoren wie hohem Alter, geringem Körpergewicht, starker Muskelbeanspruchung sowie aufgrund von Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten auf.

Aus diesem Grund sollten Sie während der Einnahme von Statinen niemals ohne Rücksprache mit dem Arzt andere Medikamente in Selbstmedikation einnehmen. Der Arzt überwacht außerdem nach dem Ansetzen des Statins Ihren Blutspiegel auf Anzeichen einer Rhabdomyolyse.

Cholesterol-Resorptionshemmer: Ezetimib

Wirkung

Ezetimib ist eine Substanz, die die Aufnahme von Cholesterin aus der Nahrung im Darm hemmt und dadurch den Cholesterinspiegel um bis zu etwa 25% senkt. Außerdem vermindert Ezetimib auch die Wiederaufnahme von Gallensäuren aus dem Darm, die ja ebenfalls aus Cholesterin gebildet werden (siehe oben).

Da der Großteil unseres Cholesterins aus der körpereigenen Produktion in der Leber stammt ist die Senkung des Cholesterinspiegels mit Ezetimib weniger effektiv als mit Statinen. Ezetimib kann alleine oder, bei Hochrisiko-Patienten, in Kombination mit Statinen eingesetzt werden.

Ezetimib wird in der Regel einmal täglich eingenommen.

Nebenwirkungen

Ezetimib ist im Allgemeinen gut verträglich, weniger als 1 von 10 Patienten klagt über leicht Magen-Darm-Beschwerden oder Kopfschmerzen.

Anionenaustauscherharze: Colestyramin und Colesevelam

Wirkung

Die Anionenaustauscherharze Colestyramin und Colesevelam sind in der Lage, Gallensalze aus dem Nahrungsbrei zu binden.

Gallensäuren werden, wie oben bereits erwähnt, aus Cholesterin gebildet und anschließend bei der Nahrungsaufnahme in den Darm abgegeben. Dort liegen sie wegen des pH-Wertes als negativ geladenen Teilchen (= Anionen) vor, die von Anionenaustauscherharzen gebunden und mit dem Stuhl ausgeschiedenen werden können.

Normalerweise werden die Gallensäuren „recycelt“, also aus dem Nahrungsbrei wieder resorbiert, zurück in die Gallenblase transportiert und dort gespeichert. Dadurch dass die Anionenaustauscherharze die Gallensäuren diesem Gleichgewicht entziehen entsteht ein Defizit an Gallensäuren, das durch eine erhöhte Produktion und damit einen erhöhten Verbrauch von Cholesterin ausgeglichen wird.

Die Anionenaustauscherharze werden zwei- bis dreimal täglich vor der Mahlzeit eingenommen und senken den Cholesterinspiegel um etwa 30%.

Nebenwirkungen

Die Anionenaustauscherharze sind wegen ihrer Nebenwirkungen nicht Mittel der Wahl, denn es treten oft Magen-Darm-Beschwerden wie Verstopfung, Fettstuhl, Durchfall und Blähungen auf.

Zudem wird die Aufnahme fettlöslicher Substanzen stark vermindert, hierzu zählen nicht nur die fettlöslichen Vitamine A, D, E und K sondern auch bestimmte Arzneistoffe wie zum Beispiel Schilddrüsenhormone.

Neu: PCSK9-Inhibitoren: Evolocumab und Alirocumab

Wirkung

PCSK9 steht für Proproteinconvertase-Subtilisin-Kexin Subtyp 9 – ein komplizierter Name für ein Oberflächen-Eiweiß auf unseren Leberzellen. Dieses Eiweiß reguliert das „Recycling“ von LDL-Rezeptoren auf den Leberzellen: In Anwesenheit von PCSK9 wird der LDL-Rezeptor nach Aufnahme des LDLs in die Zelle abgebaut, ist PCSK9 dagegen nicht präsent wird der Rezeptor zurück an die Zelloberfläche geschickt und kann weiteres LDL binden.

Die PCSK9-Inhibitoren Evolocumab und Alirocumab, die erst seit 2015 auf dem Markt sind, binden und hemmen nun dieses PCSK9-Eiweiß und verhindern damit, dass die LDL-Rezeptoren abgebaut werden. Dadurch wird mehr LDL in der Leber aufgenommen und verwertet und es liegt weniger LDL im Blut vor.

Die PCSK9-Inhibitoren werden alle zwei oder alle vier Wochen unter die Haut gespritzt und senken den LDL-Wert um bis zu 75%. Sie werden momentan nur bei Patienten eingesetzt, die Statine nicht vertragen, die trotz Statinen sehr hohe Cholesterinwerte aufweisen sowie bei denjenigen Patienten, die an der oben erwähnten schwerwiegenden familiären Hypercholesterinämie leiden.

Nebenwirkungen

Die wichtigsten Nebenwirkungen der PCSK9-Inhibitoren sind eine erhöhte Infektanfälligkeit,  Reizungen der Nasen- und Rachenschleimhaut, grippeähnliche Symptome, Juckreiz und Rückenschmerzen.

Weitere Nachteile der Substanzen sind die sehr hohen Therapiekosten, da es sich um aufwendig hergestellte Antikörper handelt, sowie die momentan noch relativ dünne Studienlage.

 

Zusammenfassung

Cholesterin ist eine fettlösliche Substanz, die eine wichtige Rolle als Membranbestandteil und Ausgangsstoff für die körpereigene Synthese vieler Hormone und anderer Stoffe spielt.

Eine Erhöhung des Gesamt- und des LDL-Cholesterinwertes gilt allerdings als eine der Hauptursachen für Herz-Kreislauferkrankungen, da es durch Ablagerungen von Cholesterin in den Gefäßwänden zu Arteriosklerose kommt.

Ein erhöhter Cholesterinwert muss deshalb nach ärztlicher Evaluation immer gesenkt werden, Basis ist dabei eine Ernährungsumstellung auf eine fettarme, ballaststoffreiche Mischkost. Zusätzlich zu lebensstilverändernden Maßnahmen kann die Einnahme eines Medikamentes notwendig werden, um den Cholesterinspiegel effektiv zu senken und das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu minimieren.

 

Quellen

Leitlinie „Diagnostik und Therapie der Dyslipidämien“ der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie und der European Society of Cardiology, Zugriff am 21.06. 15:30 Uhr: http://leitlinien.dgk.org/files/2012_Pocket-Leitlinien_Dyslipidaemie.pdf

Therapieempfehlungen der Arzneimittelkommission der Deutschen Ärzteschaft zu Fettstoffwechselstörungen, Stand 2012, Zugriff am 20.06. 18:00 Uhr:
http://www.akdae.de/Arzneimitteltherapie/TE/A-Z/PDF/Fettstoffwechselstoerungen.pdf

Mutschler et al: Arzneimittelwirkungen – Pharmakologie, Klinische Pharmakologie, Toxikologie. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft Stuttgart, 10. Auflage (2012).

Steinhilber et al: Medizinische Chemie. Deutscher Apotheker Verlag, 2. Auflage (2010).

Børge G. Nordestgaard, Anne Langsted et al.: Fasting is not routinely required for determination of a lipid profile: clinical and laboratory implications including flagging at desirable concentration cut-points—a joint consensus statement from the European Atherosclerosis Society and European Federation of Clinical Chemistry and Laboratory Medicine. European Heart Journal, April 2016