Dezember 10

Was ist Fibromyalgie?

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Was ist Fibromyalgie?

fibromyalgieEine lange Liste von Symptomen wird mit Fibromyalgie in Verbindung gebracht:

Schmerzen in Muskulatur und an Gelenken, Rückenschmerzen, Kopfschmerzen, Empfindlichkeit gegen Druckschmerzen, Müdigkeit, Konzentrazionsschwäche, Schlafstörungen, Steifigkeit, Schwächegefühl, Schwellungsgefühl an den Gliedmaßen und im Gesicht, gereizter Magen und Darm.

Dazu kommen oft noch psychologische Symptome wie Depressionen. Die Schmerzen, insbesondere an Muskeln und Gelenken, treten zum Einen an vielen Bereichen des Körpers auf und wechseln darüber hinaus häufig in ihrer Lokalität. Am einen Tag schmerzt das linke Bein, am anderen die rechte Schulter.

Die Krankheit setzt meistens mit wenigen, recht unspezifischen Symptomen ein und differenziert sich mit der Zeit weiter aus. Diese Entwicklung läuft nicht kontinuierlich ab, sondern unregelmäßig. Es kann vorkommen, dass die Symptome eine Weile zurück gehen – oder sogar ganz verschwinden – und dann in plötzlichen Schüben wieder zunehmen. Die für die Fibromyalgie typischen Gliederschmerzen sind meistens nicht das erste Symptom, sondern prägen sich erst nach einiger Zeit aus.

Es ist bisher wenig über das Syndrom bekannt. Man weiß nicht, was die Ursachen dafür sind und wodurch die Schmerzen ausgelöst werden. Man versteht nicht, wie die Symptome zusammenhängen. Man kennt keine zuverlässigen Behandlungsmethoden. Lange Zeit wurde Betroffenen oft Hypochondrie oder Simulation vorgeworfenen, neue Studien mit bildgebenden Verfahren (z.B. MRT) deuten jedoch darauf hin, dass die Krankheit mit der Schmerzverarbeitung des zentralen Nervensystems zusammenhängt.

Wie kann man Fibromyalgie erkennen?

Weil die meisten der Symptome sehr unspezifisch sind, ist die Diagnose von Fibromyalgie äußerst schwer und zieht sich oft über mehrere Jahre hinweg. Oft wird die Krankheit erst dann festgestellt, wenn sie das finale Stadium erreicht hat. Vorher werden oft fälschlicherweise andere Schmerzempfindungsstörungen oder Hypochondrie diagnostiziert.

Seit 1990 gibt es Richtlinien für die Diagnose. Patienten müssen unter lange anhaltenden Schmerzen mit Verbreitung über den ganzen Körper (insbesondere die Gliedmaßen) leiden und überempfindlich auf Druck an mindestens elf Tender Points reagieren. Es existieren 18 solcher Tender Points. Sie befinden sich in der Nähe der Gelenke, meist dort, wo Sehnen und Muskeln ansetzen.

Schmerz und das zentrale Nervensystem

Das Zentralnervensystem des Menschen (und aller Wirbeltiere) umfasst das Rückenmark und das Gehirn. Der Begriff dient als Abgrenzung vom peripheren Nervensystem, wie das gesamte Nervensystem außerhalb von Gehirn und Rückenmark bezeichnet wird. Das Zentralnervensystem ist zuständig für die Verarbeitung aller Reizsignale, die der Körper wahrnimmt.

Es koordiniert Bewegungen und alle motorischen Operationen des Körpers und reguliert die Organfunktionen. Unter anderem ist das Zentralnervensystem auch für die Verarbeitung, Wahrnehmung und Lokalisierung von Schmerz verantworlich.

Wir verspüren Schmerzen normalerweise dann, wenn das Gewebe unseres Körpers an irgendeiner Stelle beschädigt wird. Schmerzrezeptoren, die sogenannten Nozizeptoren, werden dadurch aktiviert. Über Nervenbahnen wird das Schmerzsignal weitergegeben und erreicht das Hinterhorn. Das Hinterhorn ist ein Teil des Rückenmarks, genauer gesagt der Grauen Substanz des Rückenmarks, und damit ein Teil des Zentralnervensystems.

Durch das Rückenmark werden dann zum einen Reflexe ausgelöst, wie beispielsweise das Zucken beim Einstechen einer Nadel in die Haut. Zum anderen wird das Signal über den Vorderseitenstrang (ein weiterer Teil des Rückenmarks) ins Gehirn weitergeleitet. Hier finden dann die Wahrnehmung, emotionale Verarbeitung und Lokalisierung des Schmerzes statt.

Was weiß man über Fibromyalgie?

Man schätzt, dass ungefähr 2% der Erwachsenen unter Fibromyalgie leiden. Am stärksten betroffen sind Frauen im Alter zwischen 30 und 50 Jahren.

Zwar ist die Krankheit schon seit Anfang des 20sten Jahrhunderts bekannt, trotzdem weiß man bis heute recht wenig darüber, wie es zu ihr kommen kann. Viele verschiedene Theorien existieren und in den letzten Jahren gab es einige Studien, die Hinweise darauf geben, woher die Schmerzempfindungen kommen.

Fibromyalgie wird mit hormonellen Störungen, mit psychischen Faktoren und mit genetischer Veranlagung in Verbindung gebracht. Allgemein wird davon ausgegangen, dass die Schmerzwahrnehmung der Patienten gestört ist und dass diese Störung ihre Ursache im zentralen Nervensystem hat.

So wurde beispielsweise festgestellt, dass Patienten mit diagnostizierter Fibromyalgie einen niedrigeren Serotoninspiegel aufweisen als die Kontrollgruppen. Dieses Hormon spielt sowohl in der Schmerzverarbeitung als auch der Steuerung des Herz-Kreislaufsystems eine wichtige Rolle.

Große Hoffnungen liegen insbesondere auf Erkenntnissen aus neuen Untersuchungen, die Fibromyalgie mit einem Mangel an Cortisol in Verbindung gebracht. Zumindest hat man herausgefunden: ein Mangel an Cortisol führt zu vielen der mit Fibromyalgie in Verbindung stehenden Symptome. Daraus lässt sich jedoch noch nicht schließen, dass Cortisonmangel Ursache oder Folge von Fibromyalgie ist.

Behandlung von Fibromyalgie

Da bisher so wenig über Fibromyalgie und insbesondere die Ursachen davon bekannt ist, stehen auch keine zuverlässigen Heilmethoden zur Verfügung. Die Krankheit wird oft sehr spät diagnostiziert. Betroffene ziehen über Jahre von Arzt zu Arzt, bekommen unterschiedliche Diagnosen und machen unterschiedliche Behandlungen mit.

Man kennt bisher keine Methode, um Fibromyalgie zu heilen. In der Behandlung liegt deshalb der Fokus einzig auf der Minderung von Beschwerden und Verbesserung der Lebensqualität.

Meistens kommen dabei Mittel zur Schmerzbekämpfung zum Einsatz. Es gibt in Deutschland kein speziell für die Indikation Fibromyalgie zugelassenes Medikament. Oft wird deshalb auf Arzneimittel zurückgegriffen, die eigentlich für andere Krankheiten entwickelt wurden, wie Antidepressiva und Antiepileptika. Doch auch Opiate und Dopaminagonisten kommen häufig zum Einsatz. Problematisch ist bei all diesen Medikamenten, dass nur eine dauerhafte Einnahme Erfolg bringen kann. Dies bringt immer die Gefahr von Abhängigkeiten mit sich.

In Deutschland wird deshalb meist die Multimodale Therapie verschrieben. Bei dieser kommen Methoden aus unterschiedlichen Bereichen zum Einsatz. Medikamente gegen Schmerzen stellen so nur einen Teil der Behandlung dar. Daneben werden Methoden aus den Bereichen psychischer und physiologischer Hilfe eingesetzt. Eine Vielzahl an Methoden anzuwenden ist allein deshalb sinnvoll, weil das Krankheitsbild von Fibromyalgie so unterschiedlich ausfallen kann.

Zu den psychischen Methoden die üblicherweise eingesetzt werden gehören Entspannungstechniken wie Yoga, autogenes Training, Muskelrelaxion. Außerdem zum Einsatz kommen Psychotherapie und die Auklärung und Information über die Krankheit und über die menschliche Schmerzwahrnehmung.

Recht gute Erfolge konnten bisher vor allem physiologische Therapien erzielen. In den Leitlinien der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF) von 2012 werden Kraftsport, Ausdauersport sowie Funktionstraining empfohlen. Bei dem Funktionstraining handelt es sich um gymnastische Übungen, die gezielt auf Muskeln und Gelenke wirken sollen. Auch wärmende Bäder und Saunabesuche werden als potenziell hilfreich angegeben.

In neuen Studien zeigten sich Hinweise darauf, dass sich die Symptome durch eine Ernährungsumstellung abschwächen lassen. Bei Patienten, die sich vegan oder fast komplett vegan ernährten, verbesserten sich die Symptome innerhalb weniger Monate und kehrten wieder zur ursprünglichen Stärke zurück, als die Versuchspersonen wieder zu ihrer normalen Ernährung wechselten.

Blick in die Zukunft

Für eine Krankheit, die schon über 100 Jahre bekannt ist, weiß man erstaunlich wenig über die Fibromyalgie. Dies liegt zum Teil auch daran, dass Schmerzerkrankungen ohne erkennbare organische Ursache oft belächelt und als psychologische Probleme der Patienten abgetan werden. Glücklicherweise bieten die neuen Verfahren, vor allem aus der Neurologie, Möglichkeiten, um objektivere Daten über solche Krankheiten zu sammeln und den Patienten so zumindest das Gefühl zu geben, ernst genommen zu werden. Es ist heute immerhin schon allgemein anerkannt, dass es sich bei der Fibromyalgie nicht um Hypochondrie oder gar Simulation handelt.

Es bieten sich auch endlich Möglichkeiten, um mehr über die Krankheit zu erfahren. In den letzten Jahren wurden so schon große Fortschritte gemacht. Sowohl was das Verständnis des Leidens angeht, als auch in Bezug auf Methoden zur Behandlung. Auch steigendes Wissen über die Zusammenhänge im Zentralnervensystem und über die Schmerzverarbeitung geben den vielen Patienten neue Hoffnung.


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