Dezember 10

Was sind die Ursachen von Rosacea?

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Was sind die Ursachen von Rosacea?

behandlungRosacea (im Deutschen manchmal auch Rosazea geschrieben) ist eine entzündliche Erkrankung der Haut. Im Anfangsstadium zeigen sich vor allem Rötungen im Bereich der Wangen und von Kinn, Nase und Stirn. Später kommen Pusteln und Verwachsungen hinzu.

Wodurch die Krankheit ausgelöst wird, ist noch nicht geklärt. Im Folgenden stellen wir die wichtigsten Theorien vor.

Die Rolle des Immunsystems

Es könnte sich bei Rosacea um eine Überreaktion des Immunsystems handeln. Solche Überreaktionen liegen bei vielen entzündlichen Erkrankungen vor, beispielsweise bei allen Arten von Allergien und auch bei Autoimmunerkrankungen.

Zunächst einmal sind Entzündungen ein Anzeichen dafür, dass das Immunsystem seiner Arbeit nachgeht:

Wenn der Körper glaubt, einen schädlichen Eindringling (zum Beispiel Krankheitserreger wie Viren oder Bakterien) entdeckt zu haben, werden die Abwehrzellen des Immunsystems an die entsprechende Stelle geschickt. Diese Abwehrzellen werden mit dem Blut transportiert und daher auch mit dem Begriff weiße Blutkörperchen (Leukozyten) zusammengefasst. Zu den weißen Blutkörperchen gehören Zellen mit ganz verschiedenen Aufgaben: Die Makrophagen ‚fressen‘ Krankheitserreger wie Viren und Bakterien, die Mastzellen schütten wichtige Stoffe aus und T-Killerzellen vernichten Krankheitserreger und von ihnen befallene Zellen. Noch viele weitere Zelltypen gehören zu den Abwehrzellen.

Um die weißen Blutkörperchen schnell und massenhaft an den gefährdeten Ort zu bringen, werden Stoffe ausgeschüttet, die die Blutgefäße durchlässiger machen. So können die weißen Blutkörperchen schnell aus dem Blut in das Gewebe gelangen. Einer dieser Stoffe ist Histamin. Ein Nebeneffekt der erhöhten Durchlässigkeit in den Blutgefäßen und der Histaminausschüttung sind die typischen Entzündungssymptome:  Rötung, Schwellen, Jucken, Erwärmung.

Grundlage eines funktionierenden Immunsystems ist dabei, dass der Körper eigene Zellen von fremden Zellen unterscheiden kann. Außerdem müssen schadhafte Zellen oder Substanzen von harmlosen differenziert werden. Bei vielen Krankheiten ist genau diese Funktion gestört: Bei Autoimmunerkrankungen greift das Immunsystem Zellen des eigenen Körpers an (Bei Diabetes zum Beispiel zerstört das Immunsystem Zellen der Bauchspeicheldrüse). Bei Allergien reagiert das Immunsystem auf eigentlich harmlose Substanzen (zum Beispiel Pollen). Bei Krebs ist das Problem, dass der Körper die Tumorzellen nicht als schädlich erkennt.

Bei Rosacea ist mit großer Wahrscheinlichkeit zumindest für einen Teil der Symptome das Immunsystem verantwortlich.

Besiedelung mit Haarbalgmilben

Es gibt zwei Arten von Haarbalgmilben beim Menschen: Demodex folliculorum und Demodex brevis. Beide stehen im Verdacht, mitverantwortlich für Rosacea zu sein.

Praktisch jeder Mensch wird im Laufe seines Lebens von einer oder beiden Milbenarten besiedelt. Je älter wir werden, desto wahrscheinlicher ist es, dass Haarbalgmilben auf unserer Haut zu finden sind. Bei 70jährigen sind praktisch 100 Prozent betroffen. Das könnte erklären, warum Rosacea vor allem bei älteren Menschen über 40 ausbricht.

Haarbalgmilben leben in den Haarfollikeln (darum auch der Name), also in den Hauttaschen, in denen die Haarwurzeln stecken. Vor allem die Follikel der Gesichtshaare beherbergen die Milben.

Die Parasiten müssen nicht unbedingt schädlich sein. Bei den meisten Menschen stören sie nicht weiter und werden vom Immunsystem ignoriert. Man vermutet nun, dass es bei Rosacea-Patienten zu einer allergischen Reaktion auf die Milben, ihre Eier oder ihren Kot kommt. Es gibt auch eine eigene Bezeichnung für eine entzündliche Reaktion auf die Milben: Demodikose. Es ist noch unklar, ob Demodikosen etwas anderes sind als Rosacea und inwiefern man die zwei Erkrankungen voneinander abgrenzen sollte.

Probleme in Gefäß- und Nervensystem

Entzündete Gesichtsnerven können falsche Signale aussenden. Das führt dann dazu, dass die Temperatur nicht richtig reguliert wird, was die Rötungen und Hitzegefühle erklären würde. Auch die Empfindlichkeit von Rosacea-Patienten gegenüber Alkohol, Hitze und scharfen Gewürzen ließe sich damit erklären, denn Nerven reagieren auf solche Reize, indem sie eine Erweiterung der Blutgefäße signalisieren. Entzündete Nerven reagieren übermäßig stark auf diese Reize.

Eventuell kommt dazu, dass die Blutgefäße an sich schon Probleme aufweisen. Zu weite Blutgefäße führen zu einem Blutstau im Gesicht und somit ebenfalls zu den Rosacea-Symptomen.

Genetische Prädisposition

Genetische Untersuchungen und Familienbefragungen schließen mit großer Sicherheit eine Vererbbarkeit von Rosacea aus. Allerdings scheint eine Anfälligkeit dafür erblich zu sein. Das lässt sich aus der familiären Häufung der Erkrankung schließen. Am häufigsten betroffen sind hellhäutige Menschen ab 40 Jahren.

Gestörte Proteinproduktion

Eine bisher noch wenig untersuchte Theorie beruht darauf, dass Rosacea-Patienten sehr große Mengen von zwei Proteinen produzieren: Cathelizidin und KLK5 (früher mit SCTE bezeichnet). Diese beiden Proteinen, im Überschuss vorhanden, könnten in Kombination zur Bildung eines dritten Proteins führen, dass die Rosacea-Symptome verursachen kann.

Das würde auch erklären, wieso oft Antibiotika hilfreich sind: Weil sie hemmend auf diese Proteine wirken können.

Magenbakterien

Heliobakter pylori ist ein schädliches Bakterium, dass sich im Magen vermehrt. Dort kann es zu verschiedenen Erkrankungen führen, unter anderem zur Magenschleimhautentzündung (Gastritis), Magengeschwüren oder Zwölffingerdarmgeschwüren. Das Bakterium ist für etwa 75 Prozent aller Magengeschwüre verantwortlich.

Heliobakter pylori wurde eine Zeit lang mit Rosacea in Verbindung gebracht, weil in einigen Studien bei Rosacea-Patienten ein größerer Prozentsatz positiv auf das Bakterium getestet wurde, als in Kontrollgruppen ohne Rosacea. Eine solche Korrelation sagt für sich genommen jedoch sehr wenig aus. Man kann daraus keine Schlüsse auf Ursache und Wirkung ziehen. Es könnte zum Beispiel einen dritten Faktor geben (etwa im Immunsystem), der sich auf die Anfälligkeit gegenüber Heliobakter pylori und Rosacea auswirkt und so die Korrelation verursacht.

Tatsächlich gilt diese Theorie mittlerweile als nicht mehr haltbar, denn in weiteren Studien wurde untersucht, wie sich eine Behandlung der Bakterien auf die Rosacea auswirkt – es zeigte sich keine Besserung.

Triggernde Reize

Die bisher beschriebenen Theorien konzentrieren sich darauf, wie die Krankheit ursprünglich verursacht wird.

Rosacea verläuft schubweise und für Betroffene ist es vor allem wichtig zu wissen, welche Faktoren die einzelnen Schübe verursachen können. Diese Faktoren werden auch als Trigger bezeichnet.

Die Trigger sind nicht bei jedem Rosacea-Patienten genau gleich – es kann sich daher lohnen, ein Krankheitstagebuch zu führen. Es gibt allerdings einige typische Faktoren, die im Folgenden aufgeführt werden:

  • Kosmetika. Vor allem Seifen und Pflegeprodukte mit Duftstoffen oder Alkohol können die Haut reizen. Make-up ist normalerweise unproblematisch.
  • Extreme Temperaturen. Hitze und Kälte beeinflussen die Blutgefäße und lösen so die Symptome aus. Hitze gilt hierbei sowohl für die Umgebungstemperatur als auch für Getränke und Speisen. Kalte Getränke hingegen wirken sich eher positiv auf akute Symptome aus.
  • UV-Strahlung. Sonnenstrahlung kann zu einem Rosacea-Schub führen. Schäden durch Sonnenstrahlung, also Sonnenbrände, beeinflussen die langfristige Krankheitsentwicklung negativ.
  • Alkohol. Die Substanz löst vor allem aufgrund der gesteigerten Durchblutung Rosacea-Symptome aus.
  • Scharfe Gewürze. Gewürze wie Pfeffer und Chili können zu einem Schub führen.
  • Stress. Dazu zählt sowohl emotionaler Stress als auch extremer körperlicher Stress. Stress als Auslöser von Schüben oder Symptomen ist übrigens typisch für Entzündungskrankheiten, vor allem wenn das Immunsystem involviert ist.


Tags

Hautkrankheit, Immunsystem


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