"Wer keine Zeit für seine Gesundheit hat, wird später viel Zeit für seine Krankheiten brauchen." – Sebastian Kneipp

Was hat Kalium mit dem Tinnitus zu tun?

Published Januar 22, 2014 in Tinnitus - 0Comments

Was hat Kalium mit dem Tinnitus zu tun?

kiwiObwohl die Forschung sich immer mehr für ihn interessiert, versteht man immer noch nicht genau, was es mit dem Tinnitus auf sich hat. Man kennt zwar einige mögliche Ursachen, wie zum Beispiel Ansammlungen von Ohrenschmalz in den Gehörgängen, aber in den meisten Fällen können Ärzte nur auf übliche Behandlungsmethoden verweisen, die eher selten Erfolg bringen.

Zu diesen gehört beispielsweise die Infusionstherapie  oder auch die Druckkammertherapie. Oft bleibt der Erfolg jedoch aus und den Patienten bleibt nur, sich mit dem Problem abzufinden und sich Strategien zur Bewältigung zuzulegen.

Sehr belastend sind die häufigen Fälle, bei denen es nicht möglich ist, eine Quelle des Geräuschs zu finden oder auch nur das Geräusch zu messen. Man spricht dann von einem subjektiven Tinnitus und man geht davon aus, dass es sich hier nicht um eine tatsächliche akustische Wahrnehmung handelt, sondern um ein neurologisches Problem. Man darf sich hier nicht verleiten lassen, den Tinnitus als „eingebildet“ oder „psychisch“ zu betrachten. In vielen Fällen scheinen zelluläre Probleme im Hörsystem für das Entstehen des Leidens verantwortlich zu sein.

In den letzten Jahren wurde der subjektive Tinnitus oft mit Kalium in Verbindung gebracht. Studienergebnisse scheinen ebenfalls darauf hinzudeuten, dass ein Zusammenhang zwischen dem seltsamen Rauschen im Ohr und dem Alkalimetall, das äußerst wichtig für zelluläre Funktionen des menschlichen Organismus ist,  besteht.

Kalium

Kalium ist ein äußerst reaktionsfreudiges Element und sorgt zum Beispiel in Verbindung mit Wasser für heftige Reaktionen und auch an der Luft ist es leicht entzündlich.

Das Metall findet kaum industrielle Nutzung. In manchen Kernkraftwerken werden Legierungen zur Kühlung verwendet, ansonsten wird es hauptsächlich in Labors eingesetzt. In der Landwirtschaft werden dafür häufig Düngemittel eingesetzt, die Kaliumsalze enthalten.

Für den menschlichen Organismus gehört Kalium zu den essentiellen Mineralstoffen. Dabei handelt es sich nicht um elementares Kalium, sondern um die sogenannten Kaliumionen. Kaliumionen entstehen, wenn Kaliumatome ein Elektron abgeben und sind damit einfach positiv geladen. Wenn Kaliumionen Verbindungen mit anderen Ionen eingehen, enstehen Kaliumsalze. Kaliumionen sind in jeder Zelle enthalten und an vielen zellulären Prozessen beteiligt. Zu diesen Prozessen gehören beispielsweise Entwicklung und Wachstum der Zelle, die neuromuskuläre Reizbarkeit und die Regulierung des Membranpotentials.

Kalium spielt außerdem eine wichtige Rolle für den Blutdruck, allgemeine Gefäßfunktionen, den Säure-Basen-Haushalt und die Regulierung von Hormonen. Weiterhin ist es wichtig für die Verwertung von Proteinen und Kohlenhydraten.

Es ist deshalb sehr wichtig, täglich eine ausreichende Menge an Kalium zu sich zu nehmen. Es wird empfohle,n täglich mindestens 2 Gramm, wenn möglich aber eher das doppelte zu sich zu nehmen. So kann vielen Erkrankungen vorgebeugt werden. Zu diesen gehören beispielsweise Nierensteine, Bluthochdruck und Schlaganfälle.

Für eine kaliumhaltige Ernährung empfiehlt es sich, Bohnen, Käse, Pilze, Bananen, Datteln, Trockenfrüchte, Spinat, Kartoffeln und Vollkornprodukte zu sich zu nehmen.

Kaliumkanäle und das Gehör

Haarzellen sind Rezeptoren (also Sinneszellen) und wandeln mechanische Reize, wie beispielsweise Wasserströmungen oder Beschleunigungen, in Nervenaktivität um. Haarzellen beim Menschen sind vor allem für das Gehör, also die Umwandlung von Schallwellen in Nervenaktivität zuständig.

Kalium spielt dabei eine wichtige Rolle für das menschliche Gehör. Im Ruhezustand baut sich in den Haarzellen des Ohrs (im Folgenden Hörzellen genannt) ein Membranpotential auf. Dieses besteht darin, dass sich in der Flüssigkeit um die Zelle herum mehr Kaliumionen befinden als innerhalb der Zelle. Wenn nun die Härchen der Hörzelle in Bewegung versetzt werden, können Kaliumionen in das Zellinnere fließen. So ändert sich das Membranpotential.

Diese Änderung wird dann mit Transmitterstoffen über den Hörnerv zu den Hörzentren und als Aktionspotential in das zentrale Nervensystem weitergeleitet. Diesen Vorgang bezeichnet man als Depolarisation und er ist für unsere auditive Wahrnehmung verantwortlich.

Die Kaliumionen verlassen die Zelle umgehend wieder, innerhalb von wenigen Nanosekunden. Das geschieht über sogenannte Ionenpumpen, die es ermöglichen, Kaliumionen auch entgegen der eigentlichen Polarisation zu bewegen. Dieser Vorgang nennt sich Repolarisation und er ist notwendig, um die kontinuierliche Wahrnehmung von Schall zu ermöglichen.

Das Besondere an diesem Prozess ist, dass Kalium für beide Vorgänge (Depolarisation und Repolarisation) verantwortlich ist. Im oberen Teil der Zelle, über die Härchen, kommen die Kaliumionen in die Zelle. Dies geschieht über Kaliumkanäle, während das Ausströmen der Kaliumionen im unteren Teil der Zelle über komplizierte neuroelektronische Prozesse geschieht. Eine Störung des Kaliumgleichgewichts im Bereich des Gehörs kann somit einschneidende Folgen für die Betroffenen haben.

Kalium und Tinnitus

Erst in diesem Jahr konnte eine Gruppe von Forschern aus Pittsbourgh von vielversprechenden Ergebnisse berichten. Sie führten Studien mit Mäusen durch, bei denen sie in den Mäusen auf künstliche Weise (durch Beschallung) einen einseitigen Tinnitus auslösten. Dieser Tinnitus spiegelte sich in der Aktivität der Hörzellen wieder. Und um noch genauer zu sein: Er spiegelte sich auch in der Aktivität der Kaliumkanäle wieder, die für den Wechsel aus Depolarisation und Repolarisation verantwortlich sind. In den Augen der Forscher ist die geringere Aktivität der Kaliumkanäle der Auslöser für eine erhöhte Aktivität der Haarzellen. Die Forscher schafften es, bei den Mäusen die Aktivität der Kaliumkanäle medikamentös zu erhöhen. So behandelte Mäuse wiesen nach einer Woche signifikant seltener noch einen Tinnitus auf als Mäuse, die nicht behandelt wurden.

Bereits ein Jahr knappes Jahr zuvor fand eine Gruppe aus Leicester Hinweise auf diesen Zusammenhang und arbeitet seither an der Entwicklung von Mitteln, um für ein besseres Funktionieren der Kaliumkanäle zu sorgen, die Aktivität der Hörzellen zu regulieren und so den Tinnitus möglicherweise zu heilen.

Die Forscher hoffen nun, dass diese Ergebnisse benutzt werden können, um Menschen, die unter einem Tinnitus leiden, möglichst bald ein funktionierendes Mittel zur Verfügung stellen zu können.

Bisher stehen solche Mittel jedoch nicht in ausreichend getesteter und abgesicherter Art zur Verfügung.

Es reicht hier leider nicht aus, die Kalium-Aufnahme zu erhöhen, da nicht unbedingt ein direkter Zusammenhang zwischen der Aufnahme von Kalium und der Funktionstüchtigkeit der Kaliumkanäle im auditiven System zu bestehen scheint. Eine kaliumreiche Ernährung ist zwar auf jeden Fall gesund, kann viele Krankheiten verhindern und das allgemeine Wohlbefinden steigern, man sollte sich jedoch keine Wunder bezüglich des Tinnitus erhoffen. Es wird oft sogar eher davon ausgegangen, dass ein Zuviel an Kalium eine Teilschuld am Auftauchen des Tinnitus tragen kann.

Besonders vorsichtig sollte man mit der Aufnahme von Ergänzungsmitteln sein, die Kalium enthalten. Durch zu viel Kalium kann das Natrium-Kalium-Gleichgewicht gestört werden oder es kann zu einer Hyperkaliämie kommen. Von letzterem spricht man bei einer deutlichen Erhöhung des Kaliumgehalts im Blut. Es kann dabei zu Herzrhythmusstörungen oder Muskelzuckungen kommen.

Im schlimmsten Fall tritt ein Herz-Kreislauf-Stillstand ein. Es ist also wichtig, vor einer Steigerung der Einnahme von Kalium einen Arzt aufzusuchen und mit diesem über die Gefahren zu sprechen und gegebenenfalls notwendige Untersuchungen durchzuführen.

Gleiches gilt selbstverständlich für eine Reduktion der Kaliumaufnahme. Kalium ist von großer Wichtigkeit für den menschlichen Körper und auf Kalium zu verzichten ist wirklich nur dann angebracht, wenn die Gefahr einer Hyperkaliämie besteht.

Aus diesem Grund sollte man auch vorsichtig sein mit alternativen Mitteln gegen den Tinnitus, die in ihrer Funktionsweise auf Kalium bauen. Es gibt von diesen zwar nicht viele, aber von den wenigen, die es auf dem Markt gibt, sollte man möglichst die Finger lassen, wenn man sich nicht ganz sicher ist, dass die Einnahme unbedenklich und hilfreich ist.

Tags: Gehör