Dezember 4

Kann man Tinnitus mit Ginkgo Biloba beikommen?

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Die Wirkung von Ginkgo Biloba auf Tinnitus

Ginkgo BilobaJeder vierte leidet mindestens einmal in seinem Leben unter dem störenden Pfeifen im Ohr, das man als Tinnitus kennt. Und bei vielen davon handelt es sich um ein chronisches Leiden, gegen das es kaum ein Mittel gibt.

Eine der Varianten, auf die bei einer Behandlung oft zurückgegriffen wird, ist das aus den Blättern von Ginkgo Biloba gewonnene Ginkgo-Extrakt.

WICHTIG: Sollten Sie einen Tinnitus bekommen, ist es wichtig, dass sie möglichst bald einen Arzt aufsuchen. Je schneller die Behandlung des Tinnitus erfolgt, desto erfolgversprechender ist sie.

Man unterscheidet beim Tinnitus grob zwischen einer subjektiven und einer objektiven Form. Subjektiver Tinnitus wird nur vom Betroffenen gehört und das Geräusch kann nicht physikalisch erfasst werden, da es keine Schallwellen gibt. Dagegen kann der Objektive Tinnitus sehr wohl gemessen werden und hat oft anatomische Ursachen. Für das wahrgenommene Geräusch kann beispielsweise ein Krampf im kleinen Mittelohrmuskel verantwortlich sein. Deutlich häufiger kommt es jedoch vor, dass das wahrgenommene Geräusch durch Bluthochdruck, insbesondere in den kleinen Adern des Ohrs, ausgelöst wird.

Aufgrund der vielen möglichen Ursachen für einen Tinnitus und auch weil es bisher an einer systematischen Untersuchung mangelt, ist es im Einzelfall schwer zu sagen, was gegen den Tinnitus getan werden kann. Einfacher ist dies noch beim objektiven Tinnitus, da man je nach Ursache für das Geräusch unter Umständen ein entsprechendes Mittel finden kann, um gegen das Symptom vorzugehen. Manchmal ist beispielsweise ein Ohrenschmalzpfropf für die Beschwerden verantwortlich und kann einfach entfernt werden. Und wenn Bluthochdruck im Ohrbereich beispielsweise durch eine Gefäßverkalkung vorliegt, kann man hier ansetzen.

Der Ginkgo in der Medizin

Der Ginkgo ist berühmt für die besondere Form seiner Blätter, der Johann Wolfgang von Goethe sogar ein ganzes Gedicht widmete. Der aus China kommende Baum ist die einzige verbleibende Baumart in der Ordnung der Ginkgoales. Sein deshalb einmaliges Aussehen macht ihn zu einem sehr beliebten Zierbaum und in Asien auch zu einem häufig genutzten Tempelbaum in südostasiatischen Gebieten.

Um das Jahr 1730 herum wurde er erstmals nach Europa eingeführt und erfreut sich seither auch hier großer Beliebtheit. 2000 wurde er vom deutschen „Kuratorium Baum des Jahres“ sogar zum Baum des Jahrtausends gekürt.

Als Nahrungsmittel wird Ginkgo in Europa kaum genutzt. In Asien wird der Kern des Samens als Gewürz, als kleine Beilage oder als salziger Snack genutzt. Das Holz des Ginkgos hingegen findet nur in sehr seltenen Fällen Verwendung. Es ist zu weich und leicht für die Möbelherstellung.

Neben diesen Nutzungsweisen wird Ginkgo insbesondere in der Medizin eingesetzt. In der traditionellen Chinesischen Medizin werden die Blätter, Wurzeln und Samen verwendet, um gegen diverse Leiden vorzugehen. Eine Abkochung der Wurzeln wird gegen Blähungen und zur allgemeinen Stärkung des Verdauungssystems eingesetzt. Auch die Samen werden in abgekochter Variante konsumiert. Dies soll gegen Husten, Asthma, Blasenentzündungen, Blähungen und sogar Alkoholvergiftungen helfen.

Auch in die moderne Medizin hat der Ginkgo Einzug gefunden. Sehr üblich ist die Nutzung von Ginkgo-Extrakt als Antidementiva. Aus den Blättern der Pflanze können Wirkstoffe gewonnen werden. Diese haben eine leistungssteigernde Wirkung auf kognitive Prozesse und können so Demenzkranken bei der Bewältigung von Alltagsaufgaben helfen. Aus den gleichen Gründen werden diese Wirkstoffe bei anderen neurologischen Erkrankungen wie Alzheimer eingesetzt.

Bisher ist allerdings noch nicht geklärt, wie genau die Ginkgo-Extrakte auf das Nervensystem und das Gehirn wirken und warum es zu den beobachteten Effekten kommt. Zwar ist bekannt, dass Ginkgoextrakt wirksam als Radikalfänger ist, ob und wie genau das mit den neuroprotektiven Eigenschaften und der kognitiven Leistungssteigerung zusammenhängt ist jedoch unklar.

Gingko fördert außerdem die Durchblutung. Dies kann ausgenutzt werden um gegen bestimmte Durchblutungsstörungen oder sogar Gefäßverkalkungen vorzugehen. Darüber hinaus fand eine japanische Forschergruppe im letzten Jahr Hinweise darauf, dass Extrakt aus den Blättern des Baums zur Bekämpfung verschiedener Grippeviren nutzbar ist.

Gefahren und Nebenwirkungen gibt es bei der Einnahme von Ginkgo-Extrakt kaum. Beobachtet werden in äußerst seltenen Fällen Magen-Darm-Probleme und Kopfschmerzen.

Tee mit Ginkgo wird oft als gefährlicher angesehen als die meisten Medikamente aus Gingko, da sie keinen strengen Kontrollen unterliegen und es so mitunter zu erhöhten Anteilen von Ginkgolsäure kommen kann. Diese kann für Allergien und Entzündungen verantwortlich sein.

Ginkgo bei akutem objektivem Tinnitus

Objektiver Tinnitus beruht auf einem wahrnehmbaren Geräusch, das normalerweise von einem Teil des Körpers in der Nähe der Ohren ausgelöst wird. Ein häufiger Grund dafür ist erhöhter Blutdruck.

Es wird davon ausgegangen, dass Ginkgo sich positiv auf die Durchblutung des Kopfes und des Gehirns auswirkt. Wenn das beim Tinnitus wahrgenommene Pfeifen durch verminderten Blutfluß in den entsprechenden Gefäßen ausgelöst wird, kann Ginkgo helfen. Denn Ginkgo stärkt  die Durchblutung und macht die Gefäßwände widerstandsfähiger. So werden sogenannte Gefäßverkalkungen verhindert.

Der Einsatz von durchblutungsfördernden Mitteln ist gegenwärtig üblicher Bestandteil der Behandlung von Tinnitus. Ginkgo wirkt hier offenbar gleichwertig mit anderen Medikamente, wie Pentoxifyllin oder HES. Der Einsatz erfolgt in Kombination mit diversen anderen Mitteln. Vitamin-E, Magnesium, Kortison und Lokalanästhetika werden gleichzeitig verabreicht. Dieses Verfahren nennt sich Infusionstherapie. Obwohl seine Wirksamkeit noch umstritten ist, wird es in Deutschland sehr häufig angewendet.

Größere systematische Untersuchen zur Wirksamkeit der Infusionstherapie im Allgemeinen und von Ginkgo-Präparaten im Speziellen liegen bis heute kaum vor. Die wenigen Studien, die es gibt (aus den Jahren 2001, 2004 und 2005), konnten in doppelt verblindeten Studien keinen Effekt feststellen, der sich von dem eines Placebos unterscheidet. In einer Doppelblindstudie wird der Hälfte der Patienten das zu testende Medikament verabreicht, der anderen Hälfte ein Placebo (ein unwirksames Mittel wie beispielsweise Zuckerpillen). Dabei wissen weder die Patienten noch die Ärzte, wer das richtige Medikament erhalten hat. Erst bei der Auswertung der Daten wird dies aufgelöst. So kann man feststellen, ob das Medikament tatsächlich besser wirkt als die Placebo-Medizin.

Empfehlungen für die Behandlung mit Ginkgo Biloba

Ginkgo-Extrakt wird nach heutigem Stand nicht von den Krankenkassen bezahlt, wenn es zur Behandlung von Tinnitus dienen soll. Nur bei Demenzerkrankungen wird die Medikation finanziert.

Um bei der Behandlung mit Ginkgo Biloba die Aufnahme von Ginkgolsäure zu verhindern sollte man die Art des Mittels beachten. Wie oben schon erwähnt, sind Tees auf jeden Fall zu vermeiden. Die übliche Empfehlung sind Trockenpräparate, da hierin der Anteil an erwünschten Inhaltsstoffen (Ginkgolide, Bilobalide und Flavonglykoside) erhöht wird und die potenziell schädlichen Stoffe – wie eben Ginkgolsäure – verringert werden.

Bei akuten Beschwerden kann Ginkgo Extrakt unter Umständen sehr schnell und effektiv wirken, bei chronischen Leiden ist die Wirkung ungewisser. Man sollte die Einnahme auf jeden Fall über einen längeren Zeitraum (ca. 8 Wochen) aufrechterhalten.

Außerdem ist auf jeden Fall zu empfehlen, die Einnahme von Ginkgo mit anderen Behandlungsmethoden zu kombinieren. Zu diesen können Hörtherapie, psychologische Betreuung und auch weitere Medikamente gehören, wie in der Infusionstherapien. Stress scheint einer der Hauptauslöser für Tinnituserkrankungen zu sein, dagegen vorzugehen sollte auf jeden Fall erste Priorität haben.

Wie immer ist es auch hier natürlich unumgänglich einen Arzt/eine Ärztin zu konsultieren und mit dieser über die Medikation zu sprechen. Abhängig von der persönlichen Krankengeschichte und weiteren regelmäßig eingenommenen Medikamenten kann Ginkgo – wie praktisch jedes Medikament – unerwünschte Nebeneffekte haben.


Tags

Gehör, Ginkgo


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