"Wer keine Zeit für seine Gesundheit hat, wird später viel Zeit für seine Krankheiten brauchen." – Sebastian Kneipp

Schlafen trotz Tinnitus

Published Januar 10, 2014 in Tinnitus - 0Comments

Keine Angst vor der Nacht – Schlafen trotz Tinnitus

slafen und tinnitusViele Betroffene berichten, dass es in der Nacht am schlimmsten ist: Ohne Ablenkung und auditiven Input wird der Tinnitus noch schwerer auszuhalten. Egal ob man von einem akuten (seit weniger als drei Monaten) oder einem chronischen Tinnitus (seit mehr als drei Monaten) betroffen ist –  Schlaflosigkeit ist eines der größten Probleme, die mit dem Pfeifen im Ohr einhergehen. Den Tag über kann man sich mit anderen Aktivitäten, der Arbeit oder Hobbys zumindest ein wenig davon ablenken.

Nachts ist man jedoch den eigenen Gedanken überlassen und der Tinnitus rückt mehr ins Zentrum des Bewusstseins. Außerdem fehlen in der Nacht andere auditive Eindrücke, die den Tinnitus vielleicht zu einem bestimmten Grad übertönen können. Den Tag über redet man mit anderen Leuten, hört Musik oder schaut Filme. Wenn diese Geräusche in der Nacht  wegfallen, dann kann es einem vorkommen, als würde der Tinnitus immer lauter werden. Außerdem stören die meisten Tinnitus-Masker in der Nacht und können einem deshalb auch nicht beim leichteren Schlafen helfen.

Personen mit Tinnitus leiden deshalb oft unter Schlaflosigkeit. Und diese wiederum wirkt sich auf viele Bereiche des Lebens aus. Man ist den Tag über müde und unruhig. Die Konzentration fällt schwer, man ist gereizt und hat unter Umständen auch noch Kopfschmerzen. Darunter leiden dann oft Beruf, Hobbys und Privatleben. Und der dadurch ausgelöste Stress kann dazu führen, dass sich das Problem mit dem Tinnitus noch weiter verstärkt.

Einen wichtigen Teilen der Therapien zur Bewältigung macht deshalb die Arbeit an einem ruhigen und entspannten Schlaf aus. Dieser ist einer der wichtigsten Bausteine auf dem Weg zu einem unbeschwerteren Umgang mit dem Tinnitus.

Was man tun kann

Einer der Hauptgründe, warum der Tinnitus einem in der Nacht schlimmer vorkommt als am Tag ist, dass ablenkende Geräusche fehlen. Viele berichten, dass es ihnen deshalb hilft, mit leiser Hintergrundmusik zu schlafen. Zum einen kann dies den Tinnitus ein wenig übertönen. Zum anderen kann einem entspannende Musik im allgemeinen dabei helfen, die Gedanken schweifen zu lassen und schneller einzuschlafen. Auch Hörbücher können diesen Effekt auslösen, allerdings sollte man natürlich darauf achten, dass die Geschichte nicht zu spannend ist und einen dadurch wach hält. Gleiches gilt übrigens auch für das Lesen von Büchern. Auch dies kann einem helfen, die letzten Minuten vor dem Einschlafen abgelenkt zu verbringen.

So trivial es klingen mag, aber Erschöpfung ist eine großartige Einschlafhilfe. Man kann morgens früh aufstehen, sich den Tag über aktiv beschäftigen und möglichst auch Sport betreiben. So ist am Abend auch der Köper müde und das Einschlafen fällt deutlich leichter. Zusätzlich ist Sport selbstverständlich gesund, hilft die Durchblutung zu verbessern, Stress abzubauen, das Körpergefühl zu verbessern und die allgemeine Lebensqualität zu steigern. Man sollte darauf achten, nicht zu spät am Abend Sport zu betreiben. Es sollten auf jeden Fall drei oder vier Stunden zwischen dem Sport und dem Schlafengehen, ansonsten verhindert der aktivierte Kreislauf und eventuell ausgeschüttetes Adrenalin das Einschlafen.

Das Erlernen von Entspannungsmethoden ist ja in vielen Fällen sowieso schon ein Teil der Therapie, um zu lernen besser mit dem Tinnitus zu leben. Und  selbstverständlich hilft vieles davon auch in der Nacht. Meditation kann einem helfen, sich auf andere Gedanken zu konzentrieren und den Tinnitus aus dem Bewusstsein zu vertreiben. Und die Atemtechniken, die man beispielsweise beim Yoga oder Tai-Chi erlernt, entspannen den Körper und lenken ebenfalls ab. Es gibt viele weitere Techniken, die auf ähnliche Prinzipien abzielen, zum Beispiel die Progressive Muskelentspannung oder Autogenes Training.

Man sollte genau herausfinden, was einen zusätzlich am Einschlafen hindert. Es kann dazu helfen, Gewohnheiten zu ändern und den üblichen Ablauf eines Abends zu ändern, um herauszufinden ob man sich mit Dingen beschäftigt, die einen unnötig wachhalten. So kann es beispielsweise helfen am Abend auf das Fernsehen oder das Sitzen am Computer zu verzichten, da das helle Licht des Bildschirms das Eintreten von Erschöpfung verhindern kann. Ebenfalls hilfreich kann es sein, den Zeitpunkt und das Ausmaß des Abendessens anzupassen. Und natürlich sollte am Abend und auch am späten Nachmittag auf den Konsum von koffeinhaltigen Getränken (Kaffee, Tee, Cola etc.) verzichtet werden.

Medikamente und Hilfsmittel

medikamentenWenn keine der oben genannten Methoden dauerhafte Besserung bringt, dann gibt es natürlich immer noch medikamentöse Methoden und einige andere Hilfsmittel, auf die man zurückgreifen kann.

Baldrian ist allgemein als den Schlaf förderndes Mittel bekannt. Tee kann schon viel bringen und wenn dies nicht hilft gibt es auch viele Medikamente auf Basis von Baldrian, die man testen kann. Weitere pflanzliche Wirkstoffe werden aus Melisse, Johanniskraut und Passionsblumenkraut gewonnen.

Auch an synthetischen Schlafmitteln steht ein weites Spektrum zur Verfügung. Viele davon sind jedoch verschreibungspflichtig und aufgrund von vielen unerwünschten Nebenwirkungen sollte man vor der Einnahme eine ausführliche Risiken-Nutzen-Abwägung durchführen und mit dem Arzt besprechen. Neben den üblichen Nebenwirkungen wie Kopfschmerzen und Bauchweh besteht bei vielen der Medikamente ein gefährliches Suchtpotential.

Außerdem greifen viele davon sehr stark in die Schlafarchitektur ein, so dass der Schlaf oft weniger entspannend und hilfreich ist als natürlicher Schlaf. Die Einnahme von solchen Mitteln kann deshalb oft auch zu weiteren Schlafschwierigkeiten in der Zukunft führen. Aufgrund dieser Gefahren verschreiben Ärzte die Medikamente oft nach einem Intervallsystem. Bei diesem ist es den Patienten nur zwei- oder dreimal in der Woche erlaubt, ein solches Mittel einzunehmen.

Für Tinnitus-Betroffene steht noch eine weitere Methode zur Verfügung. Tagsüber wird oft auf sogenannte Masker zurückgegriffen wird. Dieser Masker wird wie ein Hörgerät im Ohr getragen und erzeugt ein Geräterauschen, dass angenehmer als der Tinnitus ist und diesen übertönt und in den Hintergrund rücken kann. Oft wird er auch in Verbindung mit einem Hörgerät genutzt um die Geräusche von externen Quellen zu verstärken. Dies verringert den Einfluss des Tinnitus weiter. Für die Nacht gibt es inzwischen eine Methode, die auf ähnlichen Prinzipien beruht: Sogenannte Klangkissen.

Diese Klangkissen basieren meist auf einem System aus zwei Lautsprechern, durch die der benutzenden Person ein dreidimensionaler Klangeffekt mit guter Resonanzübertragung geliefert wird. Mit diesen Kissen werden oft entspannende Naturgeräusche wie Meeresrauschen, ein Gegenrauschen wie beim Masker oder sanfte Musik abgespielt. Oft werden diese Kissen auch im Rahmen einer Klangtherapie eingesetzt und die Hersteller behaupten, dass die Kissen so nicht nur beim Einschlafen helfen, sondern den Tinnitus dauerhaft ausblenden können. Die Idee hinter der Methode ist, dass bei der betroffenen Person ein Lerneffekt auftritt, durch den sie es schafft nicht mehr nach Innen zu hören und stattdessen die äußeren Geräusche zu verstärken.

Zusammenfassung

Gesunder Schlaf ist äußerst wichtig. Insbesondere wenn man unter einer Krankheit leidet, die sich bei Stress verstärkt. Schlafen hilft außerdem dabei, einige Nebeneffekte des Tinnitus (wie Kopfschmerzen, Gereiztheit und Depressionen) deutlich zu verringern und so die Lebensqualität steigern.

Viele der beschriebenen Methoden helfen nicht nur beim Schlafen, sondern sind auch den Tag über nützlich, entspannen und lenken einen von dem störenden Pfeifen ab. Es handelt sich also um allgemeine Strategien zur Bewältigung. Diese sind den medikamentösen Methoden auf jeden Fall vorzuziehen. Sie wirken zum einen langfristig und haben andererseits keine störenden Nebenwirkungen. Insbesondere auf starke synthetische Mittel sollte nur in äußerst schlimmen Fällen zurückgegriffen werden und selbst dann nicht täglich, sondern so selten wie möglich. So kann es beispielsweise sinnvoll sein, am Abend vor wichtigen Ereignissen, zum Beispiel Bewerbungsgesprächen, Präsentationen oder Ähnlichem ein Mittel zu nehmen, um am nächsten Tag fit zu sein. Während der restlichen Zeit kann man dann andere Methoden testen.

Das Gute ist: Dinge wie Sport, Meditation oder Yoga helfen nicht nur gegen den Tinnitus sondern sind nebenbei auch noch ein schönes Hobby und verbessern die allgemeine Gesundheit.

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Tags: Gehör, Schlaf